Wir setzen unsere Erzählung über das unermessliche Sibirien fort und sprechen heute über eine Republik im Süden dieser gewaltigen Region. Welche Assoziationen haben Sie, wenn Sie den Namen Chakassien hören? Wahrscheinlich denken Sie an Steppen und Ebenen, doch das ist nur ein Teil der Besonderheiten dieser Gegend. Chakassien ist ein Land mächtiger Berge und unwegsamer Taiga, heilkräftiger Seen und malerischer Täler, einzigartiger Flora und aquarellfarbener Wolken. Hier herrscht eine Atmosphäre der Ruhe, und die Landschaften sind von solcher Schönheit, dass man nur bedauern kann, dass keine Technologie auch nur einen Teil des Zaubers dieser Natur vollständig wiedergeben kann.
Klima Chakassiens
Die Bewohner nennen ihre Heimat „das warme Sibirien" - hier gibt es mehr Sonnentage als in den benachbarten Regionen. Das liegt daran, dass die Republik im Chakassisch-Minusinsker Becken liegt und durch Gebirge vor Winden geschützt ist. Das Klima ist insgesamt stark kontinental geprägt: heiße, trockene Sommer und kalte, schneearme Winter.
Die Natur Chakassiens ist äußerst vielfältig und einzigartig. Auf relativem kleinem Raum finden sich nahezu alle für Sibirien typischen Landschaftsformen: Steppen und Halbwüsten, Kiefernwälder und dunkle Nadeltaiga, alpine Wiesen und sogar Tundra.
Die Berge Chakassiens
Majestätische Berge scheinen dieses Land zu umarmen und verleihen ihm eine unverwechselbare Atmosphäre von Größe und Mystik. Zwei Drittel der Republik sind gebirgig: Im Westen liegen die östlichen Hänge des Kusnezker Alatau, im Süden - die nördlichen Hänge und Gebirgsketten des Westlichen Sajans. Für Touristen bieten diese Gebirgssysteme zahlreiche Möglichkeiten für Aktivurlaub: Trekkingtouren, Skireisen, Wildwasserbootfahren, Bergsteigen oder Fahrten mit den Quads.
In der Steppenzone Chakassiens gibt es sogenannte Kuesta-Berge - mit einem sanften Hang auf der einen und einem steilen Abbruch auf der anderen Seite. Solche Gipfel und Bergketten sind hier zahlreich vorhanden. Ein anschauliches Beispiel ist der über 500 Meter hohe Berg Kunja am linken Ufer des Krasnojarsker Stausees nahe der Siedlung Ust-Abakan. Seine südwestlichen und südlichen Hänge sind - im Gegensatz zu den übrigen - sanft abfallend. Einst diente er als natürliche Festung und Zufluchtsort vor feindlichen Überfällen, hier fanden auch Sonnenkulte statt. Zudem ist Kunja ein bedeutendes Denkmal der Felskunst: An seinen Hängen befinden sich zwei große Felsbilder. Die ältesten stammen aus dem 2. Jahrtausend v. Chr.
Eine der geheimnisvollsten Natursehenswürdigkeiten ist die Gebirgskette Sunduki, die aus fünf einzeln stehenden Felsbergen von bis zu 200 Metern Höhe besteht. Ihren Namen erhielt die Kette vom nördlichsten Berg, dessen Gipfel an eine Truhe (russisch: Sunduk) erinnert. Wissenschaftler bezeichnen Sunduki als eine der ältesten Observatorien der Erde. Hier wurden zahlreiche einzigartige archäologische Objekte gefunden, darunter Gräberfelder, Felszeichnungen und spezielle Bauwerke, die einst zur Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen dienten. Auch eines der ältesten Felsbilder der Welt - das „Weiße Pferd" - befindet sich hier.
Wasserreichtum Chakassiens
Dank der Lage in einem innergebirgigen Becken gibt es in der Republik nahezu alle Arten von Gewässern: Gebirgs- und Steppenflüsse, Moore, Süß- und Salzseen, Quellen, Grundwasser, Kanäle und Stauseen. Der größte Fluss ist der Jenissei, der als natürliche Grenze zwischen Chakassien und der Region Krasnojarsk dient. Der zweitgrößte Fluss ist der Abakan - ein linker Nebenfluss des Jenissei.
Auf dem Gebiet der Republik gibt es mehr als 1000 Seen, die sich in Größe, Durchfluss und Salzgehalt unterscheiden. Der größte und zugleich einer der schönsten ist der Bele-See. Er ist einzigartig, da er durch eine sandige Landzunge geteilt wird: In der einen Hälfte ist das Wasser leicht salzig, in der anderen nahezu süß.
Der bekannteste See Chakassiens ist der Schira-See - die Visitenkarte der Region. Er ist berühmt für seine malerischen Panoramen, die klare Luft sowie die wohltuenden Eigenschaften seines Mineralwassers und Heilschlamms. Der Tus-See wird auch „das Tote Meer Chakassiens" genannt. Hierher kommen Besucher nicht nur zur Erholung, sondern auch zu wohltuenden Anwendungen. Sein Mineralstoffgehalt beträgt 275 Gramm pro Liter. Aufgrund des hohen Salzgehaltes kann man praktisch auf dem Wasser treiben wie auf einer Matratze.
Eine der wichtigsten Wasserattraktionen und wahre Perle Chakassiens sind die Iwanowskije Seen. Dieser Ort wird oft als „sibirische Schweiz" bezeichnet. Die Seen liegen nahe der Siedlung Priiskowy zwischen den Höhenzügen des Kusnezker Alatau am Fuß der Berge Ararat und Bobrowaja. Der Ort ist einzigartig, weil Gletscher und Schneefelder auf den Gipfeln und Hängen der umliegenden Berge bis in den Hochsommer sichtbar sind. Die Seen bilden eine Kaskade aus vier miteinander verbundenen Gewässern, die durch Flüsse und Bäche ineinander übergehen.
Die Höhlen Chakassiens
Eine bedeutende Naturattraktion der Republik sind die Karsthöhlen. In vielen von ihnen wurden Spuren urzeitlicher Menschen und Felsmalereien entdeckt. In Chakassien befindet sich die zweitlängste Höhle Russlands - Büchse der Pandora: Ihre Gänge erstrecken sich über bis zu 18 Kilometer, die Tiefe beträgt 183 Meter. Im Inneren gibt es zahlreiche Kaskaden, Grotten, Schächte und Hallen sowie rund 400 Seen mit kristallklarem Wasser. Die Kaschkulak-Höhle gilt als eine der ältesten Höhlen des Landes und ist für ihre geheimnisvollen Phänomene bekannt, die Wissenschaftler mit Veränderungen des Magnetfeldes erklären.
Wussten Sie, dass die Natur Chakassiens so erstaunlich und vielfältig ist? Beim nächsten Mal sprechen wir über die Tierwelt dieser Region.